Schreiben ist toll! Verrücktsein auch!

Blog und Artikelschmiede von Stefanie Matulat

Autoreninterview mit Christiane Gref

Du hast gerade deinen Debütroman „Das Meisterstück – Ein Historischer Hanau-Roman“ veröffentlicht. Bis dahin war es ein weiter Weg. Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?

Ich habe erst sehr spät mit dem Schreiben begonnen. Das war im Jahr 2004. Ein Freund von mir beteiligte sich damals an der „Storyolympiade“ und kurzerhand sandte ich ebenfalls eine Geschichte ein, die von der Jury recht gut bewertet wurde und nur knapp den Abdruck in der Anthologie verfehlte. Das machte mir Mut. 2005 legte ich dann richtig los und schrieb eine Kurzgeschichte nach der anderen. Etwa ein Jahr später reizten mich längere Erzählungen und ich begann, meinen ersten Roman zu schreiben.

Worum genau geht es in deinem Erstlingswerk?

„Das Meisterstück“ dreht sich um den Hanauer Ratspokal und spielt in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Johann, ein Gold- und Silberschmiedegeselle, bekommt einen neuen Zunftmeister vor die Nase gesetzt. Das Verhältnis zwischen den beiden ist angespannt. Als die Zunft einen wichtigen Auftrag erhält, nämlich einen silbernen Pokal für den traditionellen Willkommenstrunk zu schmieden, beginnen die Probleme für Johann. Der Pokal soll sein Meisterstück werden und die Adligen, die den Prunkbecher in Auftrag gegeben haben, mischen sich schon bald gewaltig in Johanns Arbeit und sein Privatleben ein. Johann kommt einem Komplott der Adligen auf die Schliche und muss plötzlich um sein Leben fürchten.

Was inspirierte dich zu dieser Geschichte?

Ich hörte, dass der Hanauer Ratspokal lange Zeit verschollen war. Er wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in die Rothschild-Sammlung verkauft und tauchte erst in den 1980er Jahren bei einer Auktion wieder auf. Hanauer Firmen und Bürger spendeten eine große Summe, um ihren Ratspokal zurück zu bekommen. Ich fand dieses Engagement beeindruckend. Als ich das Prunkstück – oder vielmehr das Duplikat – im Schloss Philippsruhe mit eigenen Augen sah, kamen mir die ersten Ideen für die Geschichte.

Du warst bisher viel in der Fantasywelt unterwegs. Wieso auf einmal ein historischer Roman?

Die Idee kam mir spontan und ich begann bereits das Gerüst für den Roman auszuarbeiten, als mir auffiel: Hey, ich schreibe ja einen historischen Roman. Was soll’s?

Was nicht bedeutet, dass ich dem Genre „Fantasy“ generell abgeschworen habe.

In welchem Genre werden wir öfters etwas von dir zu lesen bekommen?

Geschichten von mir gibt es in nahezu allen Genres. Vom Krimi, über Science-Fiction, Kindergeschichten, bis hin zu Horror und Phantastik. Ich fürchte, zunächst bleibe ich dem historischen Roman weiterhin treu ;-)

Welche weiteren Projekte hast du derzeit in Arbeit?

Ich schreibe mit einer befreundeten Autorin derzeit gemeinsam an einem Roman. Ich würde ihn im Genre „historischer Thriller“ ansiedeln, denn es wird jede Menge Action geben. Als Kulisse haben wir die Weimarer Klassik gewählt. Sie bietet einen schönen Kontrast zu unseren Charakteren.

Hast du bei Lesungen Lampenfieber?

Ja, meistens. Auch wenn mir bestätigt wird, dass ich ganz ruhig wirke. Vermutlich zittere ich nach innen J Lesungen machen mir aber immensen Spaß und nach dem ersten Satz verfliegt die Anspannung.

Du bist Mutter, führst einen Haushalt und gehst einer regulären Arbeit nach. Woher nimmst du dir noch die Zeit fürs Schreiben?

Ich stehle sie mir, wo immer es möglich ist. Meistens sitze ich abends am Rechner oder am Wochenende. Mein Mann unterstützt mich sehr, sonst würde das gar nicht funktionieren.

Du bist seit Jahren Mitglied der Hanauer Schreibwerkstatt, die von Berndt Schulz geleitet wird. Welche persönlichen Fortschritte hinsichtlich deiner Schreibe hast du seitdem gemacht?

Ich habe gelernt, meine eigenen Texte kritisch zu beurteilen. Das ist meines Erachtens das „A“ und „O“. Nicht alles, was mir gefällt, kommt auch beim Leser gut an. Es ist auch nicht zu unterschätzen, etwa zehn clevere Kollegen vor sich zu haben, die einem eine Geschichte zerlegen, Rückfragen stellen und gnadenlos ehrlich sind. Aber jegliche Kritik läuft auf konstruktiver und respektvoller Ebene ab. Das hilft ungemein, da es den Horizont erweitert. Gelehrt wird nach Sol Stein, der den Ratgeber „Über das Schreiben“ (erschienen bei Zweitausendeins) verfasst hat.

Wie gehst du mit Kritik an deinen Werken um?

Natürlich piekst Kritik immer ein bisschen. Es wäre ja auch schlimm, wenn nicht, denn das würde bedeuten, dass ich meinen Text nicht mag. Wenn sie fundiert ist, schätze ich Kritik über alle Maßen, denn nur so kann ich Verbesserungspotenzial aufspüren.

Wie lange hast du an deinem Debütroman gearbeitet?

Wenn man alle Arbeitsschritte, inklusive Recherchen, Lektorat und sonstige Vorbereitungszeit zusammennimmt, etwa eineinhalb Jahre.

Was tust du gegen Schreibblockaden?

Ich lasse sie mittlerweile zu und mache mich nicht mehr verrückt. Erzwingen kann ich das Schreiben dann ohnehin nicht. Aber ich lektoriere am liebsten, wenn ich eine Blockade habe, weil ich in solchen Momenten kritisch und überaus analytisch an Texte herangehen kann.

Gibt es einen Autor oder eine Autorin, die du unbedingt mal kennen lernen möchtest? Warum?

Für mich sind alle Autorinnen und Autoren eine Bereicherung, weil jede und jeder anders schreibt und Dinge anders sieht. Ich freue mich auf Buchmessen oder Lesungen, weil es interessant ist, sich auszutauschen. Mir ist es gleich, ob da ein prominenter Schriftsteller vor mir steht oder ein Hobbyautor.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Verlag M. Naumann?

Vor rund einem Jahr fand die Buchmesse in Nidderau statt. Der Verlag M. Naumann war mit einem Stand als Aussteller vertreten. Ich kam mit einem der Lektoren, die vor Ort waren, ins Gespräch und der Lektor war sehr interessiert an meinem Roman. Ein paar Tage später sandte ich auf Anfrage des Verlags das komplette Manuskript zur Prüfung ein. Und etwa vier Monate später erhielt ich den Verlagsvertrag.

Viele angehende Autoren fragen sich, wie das Prozedere zwischen Autor und Verlag abläuft. Kannst du ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern?

Schwierig, denn das Prozedere läuft unterschiedlich ab. Denn die Verlage variieren, was die Größe, das Programm und den Zeitpunkt der Einreichung des Manuskripts angeht. Wobei letzteres am Autor hängt. J

Ganz kurz umrissen sind die Schritte folgende: Der Autor hat ein Manuskript, das er gerne unterbringen möchte. Der Verlag möchte meistens erst einmal eine Leseprobe haben. Das sind in der Regel die ersten beiden Kapitel des Textes. Aber hier fangen die Unterschiede schon an. Manche Verlage geben die Anzahl der Seiten vor, die maximal eingereicht werden dürfen. Manche wollen die spannendste Stelle. Es empfiehlt sich, sich vorab immer zu informieren, ob das Werk überhaupt beim Wunschverlag ins Programm passt und welche Formalien eingehalten werden sollen. Steht meist auf der Homepage oder es ist eine Telefonnummer zur Kontaktaufnahme angegeben. Mit der Leseprobe muss der Autor auch ein Exposé einreichen. Hier heißt es kurz fassen! Auf zwei Seiten sollte man die Handlung und die Figuren herausarbeiten. Verboten sind Cliffhanger. Der Verlag möchte nicht die Katze im Sack kaufen. Beim Beispiel Krimi muss man dem Verlag auf jeden Fall mitteilen, wer der Mörder ist. Schön – wenn auch nicht immer gefordert – ist eine Liste der bisherigen Veröffentlichungen und des Werdegangs. Die Verlage möchten ja auch den Autor als Mensch kennen lernen. Auch hier liegt in der Kürze die Würze.

Noch ein wichtiger Tipp: Legt euch ein dickes Fell zu. Die Zeit, in der euer Manuskript geprüft wird, zieht sich wie Kaugummi. Und stellt euch auf viele Absagen ein. Von allen eingereichten Manuskripten werden im Schnitt nur 0,2% veröffentlicht. Das gilt zumindest für die großen Publikumsverlage.

Solltet ihr mit dem Gedanken spielen, bei den Großen der Branche landen zu wollen, schlagt am besten den Weg über eine Literaturagentur ein. Im Internet gibt es zahlreiche Adressen.

Ist das Werk unter und ihr habt euren Vertrag unterschrieben, Glückwunsch! Jetzt wird es spannend. Denn nun beginnt das Lektorat. Ihr bekommt euren redigierten Text, den ihr durcharbeiten müsst. Sind die Änderungen mit dem/r Lektor/in abgestimmt, bekommt ihr das Manuskript wieder auf den Tisch, wenn es an die Drucklegung geht. Es sieht dann schon richtig wie ein Buch aus. Nach nochmaligem Durcharbeiten und eventuellen Korrekturen, die durch das Lektorat geflutscht sind, wartet der Verlag auf eure Druckfreigabe. Habt ihr diese erteilt, geht es ab in die Druckerei.

Welches Buch kannst du immer wieder lesen, ohne dass es dir überdrüssig wird?

„Der Herr der Ringe“. Ich habe ihn schon mindestens zwanzig Mal gelesen.

Wenn du selbst einmal Protagonistin in einem berühmten Roman sein dürftest, wer wäre das dann?

Helena von Troja. Wegen ihr sind Tausende in den Krieg gezogen J Die Alternative wäre Jeanne D’Arc, eine Frau mit Schwert, Mut und einer eisernen Überzeugung.

Welchen wichtigen Tipp kannst du angehenden Autoren geben?

Probiert aus, was euch an Themen interessant genug erscheint, darüber zu schreiben. Legt euch ein sehr dickes Fell und viel Geduld zu, solltet ihr mit dem Gedanken spielen, in die Öffentlichkeit zu gehen. Lasst euch von Misserfolgen nicht niederschmettern. Und vor allem: Gebt eure Texte nicht Freunden, die möglicherweise darauf verzichten euch die Wahrheit zu sagen. Lasst andere Autoren eure Texte lesen und scheut keine hitzigen Dispute.

Vielen Dank, Christiane, für dieses interessante Interview und weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg!

Ich habe zu danken.

Christiane Gref wurde 1975 in Köln geboren und lebte lange Zeit in der Nähe von Karlsruhe, bis sie 1999 der Liebe wegen in die Märchenstadt Hanau zog. Sie ist Mitbegründerin der Autorengruppe „Drachenkinder“ und hat bereits diverse Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht. Im März 2010 erschien ihr Debütroman „Das Meisterstück – Ein Historischer Hanau-Roman“ im Verlag M. Naumann. Weitere Infos über die Autorin: www.autorenkrise.de

Tagged as: ,

Leave a Response