Warum Diät Programme nichts für mich sind
Ich gebe zu, ich bin dick und ich muss dringend abnehmen. Allein der Gesundheit wegen, von der Optik gar nicht zu sprechen. Doch Gewicht reduzieren ist bekanntermaßen nicht so einfach. Sich die Kilos anzufuttern erscheint da wesentlich leichter.
Nun habe ich die Qual der Wahl, was meine Gewichtsreduktion betrifft. Die Diätangebote sind vielfältig, genaugenommen unüberschaubar. Nicht nur sämtliche Frauenzeitschriften überwerfen sich mit immer neuen Diäten und Versprechungen, es sprießen auch immer mehr Internetportale aus dem Boden, die einem beim Abnehmen helfen wollen. Schön und gut. Freut mich ja, dass sich mir einer annehmen will, um mir durch diese schwierige Abnehmphase zu helfen.
Abnehmen ohne Diät oder doch mit?
Was genau ist denn eigentlich eine Diät? Ich zitiere einmal von der Dudenseite:
“Das Substantiv Diät wurde Anfang des 13. Jahrhunderts als medizinischer Terminus in gleicher Bedeutung aus dem Lateinischen entlehnt. Lateinisch diaeta wiederum geht auf griechisch diaita zurück, dessen Grundbedeutung mit »(Lebens)einteilung« umschrieben werden kann.” (Quelle)
Im allgemeinen Verständnis bedeuten Diäten nichts anderes, als eine reduzierte Ernährung mit Schwerpunkt auf kalorienarmen Speisen. Vereinfacht gesagt. Beim genauen Hinschauen auf diverse Diäten aus Frauenzeitschriften fällt auf, dass häufig darauf gesetzt wird, von einem bestimmten Lebensmittel besonders reichlich zu essen. Da gibt es die Kohlsuppendiät, die Ananasdiät, die Nudeldiät und weiß der Geier was noch.
Abnehmprogramme im Internet hingegen werben häufig damit, dass man einen auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmten Speiseplan erhält, fachliche Betreuung und das richtige Sportprogramm. Offiziell nimmt man bei diesen Programmen mit keiner Diät ab, sondern sie zielen auf eine ganzheitliche Ernährungsumstellung. Meistens wird sogar explizit davon geredet, dass man keine Diät macht. Der Gruppenzwang in Form von Foren soll zusätzlich motivieren, endlich die überflüssigen Pfunde loszuwerden.
Kostenlose Diät
Die Zwischenüberschrift ist trügerisch. Beabsichtigt. Klar, eine Diät kann nicht kostenlos sein, denn egal wie man es anstellt, die Lebensmittel muss man schon kaufen. Vielleicht hätte ich besser kostenlose Abnehmprogramme schreiben sollen, die ja keine Diät sind. Da sie meiner Meinung nach aber trotzdem genau das sind, habe ich diese Überschrift gewählt. Es gibt sie, die kostenlosen Abnehmprogramme, wie z.B. das von der Apotheken Umschau “Gesund abnehmen“. Genau genommen wirbt man dort mit “Schlank ohne Diät”. Spaßeshalber oder vielleicht aus reiner Verzweiflung heraus, habe ich mich dort bereits 2008 registriert. Überzeugt hat es mich jedoch überhaupt nicht. In nur 12 Wochen zum Ziel heißt es da unter anderem. Das suggeriert mir schon mal, dass ich in 12 Wochen das Gewicht erreichen kann, was ich haben will. Oh weia! Das wären fast 30 Kilo in 12 Wochen. Heißt es dabei nicht immer, man soll langsam abnehmen? Also wenn man diese Aussage, dass man in 12 Wochen zum Ziel gelangt, mal außen vor lässt, was bietet mir das Programm noch?
Zu aller erst die üblichen Profileintragungen. Also Alter, Größe, Gewicht, aktueller BMI usw. Es gibt eine Abnehmstatistik, wenn man denn regelmäßig (wöchentlich) sein aktuelles Gewicht speichert.
Dann wird einem individuell ein Wochenplan zusammengestellt. Der sieht bei mir z.B. so aus:
Laut der Lebensmittelliste hat jedes Lebensmittel entweder mehr von den Dreiecken oder von den Kreisen:
Erinnert irgendwie an Weight Watchers, nur dass es kostenlos ist. Ich konnte den Eindruck aber nicht abschütteln, irgendwie dann gar nichts mehr im Magen zu haben, wenn ich mich an diesen Plan halte. Wie andere dabei nicht hungern ist mir ein Rätsel. Zumal die angegebenen Portionen so gering sind, dass ich da nie und nimmer von satt werde. Denn je mehr ich natürlich von einem Lebensmittel esse, um so mehr Symbole müssen weggestrichen werden.
Also habe ich schnell beschlossen, dass mir das überhaupt nicht liegt. Fairerweise muss ich aber sagen, dass es ein gut durchdachtes Konzept ist und auf einer gesunden ernährungswissenschaftlichen Basis aufbaut. Man wird dazu angeleitet, gesunde Lebensmittel zu sich zu nehmen, fettarm zu essen (wobei Fett schon verwendet werden darf). Meine Hauptgründe gegen dieses Abnehmprogramm sind der Essensplan, der mir auch einfach viel zu stressig ist, weil man ja erstmal nachsehen muss, welche Symbole die Lebensmittel haben. Und die Motivationsartikel oder viel mehr Anleitungen zum Abnehmen, die es wöchentlich zu bestreiten gibt, die sagen mir auch nicht wirklich zu. Der “Trainingskurs” hat jede Woche ein anderes Motto, wie z.B. “Gute Vorsätze und wie man sie erreicht” oder “Essen in Gesellschaft”. Leider können mir diese gut gemeinten Tipps kein Stück weiterhelfen.
Denn, warum bin ich dick?
Die wichtigste Frage lautet doch, warum bin ich dick? Bin ich ernsthaft krank, so dass der Stoffwechsel bei mir nicht funktioniert oder bin ich dick, weil ich schlicht und ergreifend zu viel gefressen habe? Die meisten Leute, und dazu zähle ich auch, haben schlicht und ergreifend zu viel gefressen. Und zu wenig bewegt. Punkt. Das Geheimnis vom Dicksein gelöst. Die wenigsten Menschen sind tatsächlich krankheitsbedingt dick. Eher werden die Menschen krank, weil sie so fett sind. Und fett sind sie, weil sie den Mund nicht zu lassen konnten, unbedingt noch ne Schokolade in sich reinstopfen mussten. Hamburger und Pommes sind da ja auch so lecker, also rein damit.
Und warum frisst man soviel, dass man dick wird? Bei vielen kann da nur der Psychologe eine Antwort drauf finden. Seelische Probleme, Frustessen, keine Seltenheit. Und bei mir? Langeweile und bedingt auch Frustessen. Und Sucht. Ja, Essen macht süchtig, besonders das ungesunde Essen. Ein Mal nen Twix gegessen, passiert im Körper etwas. Eine Maschinerie kommt in Gang. Der Körper will mehr! Und anscheinend ist es bei den meisten ungesunden Sachen so. Man will noch mehr davon essen. Ganz schön blöd.
Wie also nun raus aus dem Teufelskreis? Diät machen oder doch noch nach einem Abnehmprogramm im Internet suchen? Wohlbemerkt, nicht alle sind kostenlos, VidaVida z.B. kostet monatlich. Diäten sind sinnlos, denn sie bringen nur kurzfristigen Erfolg. Man isst ne Weile anders, die Pfunde purzeln und dann fällt man ins alte Essensschema zurück. Jojo-Effekt. Kennen wir doch alle. Zumal es total bescheuert ist, dem eigenen Körper wertvolle Energie vorzuenthalten, wenn er sie doch zum Arbeiten braucht. 1000 Kaloriendiäten sind Schwachsinn pur. Wenn mein Körper allein schon 1600 Kalorien braucht, um überhaupt im Ruhezustand funktionieren zu können, wir kann ich ihm dann nur 1000 zuführen? Das ist Quälerei! Ungesund obendrein.
Bei Abnehmprogrammen richtet man sich auch ständig nach irgendwem und irgendwas. Sie können eine wertvolle Hilfe sein, mehr aber m.E. auch nicht.
Wenn ich mir bewusst mache, dass ich nicht mehr Energie zu mir nehmen sollte, als ich täglich verbrauche, ist es doch (theoretisch) ganz einfach. Fresse ich über mein Maß hinaus, bunkert der Körper für schlechte Zeiten. Esse ich genau richtig, wird nichts einbehalten. Verbrauche ich darüber hinaus durch Bewegung noch etwas mehr Energie, nehmen ich langfristig ab. So simple, dass es jeder umsetzen können müsste. Wenn der Wille da ist!
Der Wille fehlt meistens und den bekommt man aber auch nicht in einer der Gruppen. Denn nicht immer kann man sich im sicheren Schoß einer Abnehmgruppe wiegen. Es kommen auch Zeiten, da ist man auf sich allein gestellt. Was dann? Der Wille muss da sein, egal, ob man alleine ist oder Unterstützung hat. Wenn ich daheim alleine bin, habe ich keine Gruppe, die mir auf die Finger schaut. Die meisten Menschen sind eh nur virtuell über Foren zu erreichen. Ich muss alleine die Entscheidung treffen, dass ich genau in diesem Moment nicht den Osterhasen esse.
Erst, wenn man dazu in der Lage ist, dann wird man erfolgreich abnehmen. Dann wird man sich durchbeißen und mehr gesunde Sachen essen. Dann wird man den inneren Schweinehund überwinden und mal etwas Sport machen. Doch bevor dieser Wille nicht da ist, die Dinge auch alleine anpacken zu können, wird jeglicher Erfolg nur von kurzer Dauer sein. Nämlich immer nur so lange, wie man sich bei irgendwem einklinken kann. Ich muss von alleine sagen, dass ich nun genug gefressen habe und gefälligst meinen fetten Arsch bewege und etwas tue. Denn ich alleine habe es ja auch zu verantworten, dass es überhaupt soweit gekommen ist.
Anstatt aus Langeweile oder Frust zu essen, hätte ich ja auch nen Buch schreiben können oder mit nem Ast ne Parkbank verprügeln können. Niemand hat mich dazu gezwungen, stattdessen zu essen.
Entweder pack ich es alleine und höre wieder auf meinen Körper, wonach er wirklich verlangt oder ich stürze mich in die Illusion einer Abnehmgruppe. Oder eines Abnehmprogramms.

